Elefanten-Silhouette4

Hintergrundwissen zu Elfenbein und fossilem Mammut

Als Elfenbein bezeichnet man in der Regel die Stoßzähne der Rüsseltiere wie Elefant, Mammut und Mastodon, die sich durch ihre Struktur zu Elfenbein Ersatzstoffen wie Flusspferd, Walross, Narwal, Pottwal, Knochen oder der Taguanuss eindeutig unterscheiden.

Die typische netzartige Maserung weist nur das Elfenbein der Rüsseltiere auf. Dieses unterscheidet sich durch Anordnung der sich kreuzenden Linien. Diese, auch Retzius´sche oder Schreger’sche Linien genannte Struktur zeigt verschiedene Schnittwinkel, die der Fachmann mit bloßem Auge erkennen kann.

Elfenbein Querschnitt

Elfenbein-Maserung

Winkel 100 – 120 Grad

Elfenbein-Maserung
Mammut Querschnitt

Mammut-Maserung

Winkel 80 – 90 Grad

Mammut-Maserung
Mastodon Querschnitt

Mastodon-Maserung

Winkel 140 – 150 Grad

Maserung Mastodon1

Diese Daten gelten lediglich als Richtwerte und können in einzelnen Fällen abweichen. Im Zweifel sollte auf weitere Unterscheidungsmerkmale wie die Stärke des Zahnschmelzes, Wasserflecken, Färbungen oder Einschlüsse geachtet werden.

Ein weiteres Indiz kann das Gewicht des Materials sein, wobei Elfenbein ein spezifisches Gewicht von ca. 1,7-1,85 gr./cm3 und Mammut von ca. 2,0-2,2 gr./cm3 aufweist.

Bei detailliert beschnitzten Stücken kann es vorkommen, dass die Struktur nicht einwandfrei zu erkennen ist. Hier bieten sich spezielle Untersuchungsmethoden der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz an, die inzwischen als offizielles Referenzlabor des Bundesamts für Naturschutz anerkannt wurde.

Moderne spektroskopische und massenspektrometrische Untersuchungsmethoden, sowie die IR-Reflexion-Spektroskopie oder die Laser-Ablations ICP-MS erkennen zweifelsfrei die Herkunft des Materials und lassen sogar eine Unterscheidung zwischen afrikanischem und indischem Elfenbein zu. Ausführliche Informationen zu diesem Thema finden Sie auf den Informationsseiten der Uni Mainz.

Elfenbein des Elefanten darf heute nur noch mit entsprechender Genehmigung verarbeitet werden. Es handelt sich hierbei ausnahmslos um Altbestände die vor Inkrafttreten des Artenschutzabkommens nach Deutschland eingeführt wurden. Da in Deutschland bereits seit Mitte der 1970er Jahre ein Legalitätsnachweis erbracht werden musste, ist die Ausnahmegenehmigung nur für nachweislich legale Importe möglich. Eine entsprechende Buchführungspflicht (Aufnahme- und Auslieferungsbuch nach § 8 Bundesartenschutzverordnung) für Elfenbein, die sowohl die Entnahme (Zuschnitt) als auch die gefertigten Stücke, sowie die daraus entstandenen Abfälle oder Staub erfasst, dokumentiert die lückenlose Herkunft des Materials. Massenprodukte aus Elfenbein werden heute nicht mehr hergestellt, vielmehr verwenden wir die vorhandenen Vorräte sorgsam für Einzelanfertigungen sowie Restaurationen und den Erhalt antiker Stücke.

Obwohl schon immer große Mengen der eiszeitlichen Stoßzähne im nördlichen Russland und Jakutien gefunden wurden, war das Elfenbein des Elefanten aufgrund seiner Beschaffenheit und des günstigeren Preises seit jeher begehrter. Erst mit Inkrafttreten des Washingtoner Artenschutzabkommens zum Schutz des Elefanten im Oktober 1989 erhielt das Mammut plötzlich einen komplett neuen Stellenwert. Schon vor Inkrafttreten des Artenschutzabkommens reiste Innungsobermeister Jürgen Schott mit seinem Kollegen im Auftrag der Elfenbeinstadt Erbach und der Drechsler- und Elfenbeinschnitzer-Innung in das damalige Leningrad um über Lieferbedingungen eiszeitlicher Mammut-Stoßzähne zu verhandeln. Schließlich wurde die erste Tonne Mammut-Elfenbein bestellt, die im März 1990 in der Elfenbeinstadt Erbach eintraf und damit überregionales Interesse bei Funk und Fernsehen erregte.

Weitere 2-3 Jahre waren nötig um das bereits über 10.000 Jahre alte Material mit seinen Verwitterungsspuren und dem damit verbundenen eigenwilligen Verhalten bei der Bearbeitung in den Griff zu bekommen. Die heutigen Stücke sind inzwischen perfekt in Gestaltung und Verarbeitung und erinnern nicht im geringstem an die ersten Versuche, dieses alte Material zu neuem Leben zu erwecken. Die Bearbeitung dieses faszinierenden Werkstoffs ist eine ständige Herausforderung und fasziniert bei der Oberflächenbehandlung immer wieder mit wunderschönen Naturfärbungen und Strukturen. Diese machen jedes Stück zum unverwechselbaren Unikat.

Das Mastodon bildete vor ca. 30 Mio. Jahren eine eigene Gattung weit vor den Mammuts, starb aber ebenso mit Ende der letzten Eiszeit aus. Hiervon gibt es nur wenige Funde, diese werden in der Regel auch nicht verarbeitet.

In der heutigen Zeit werden leider immer wieder Arbeiten aus Bein (Rinderknochen vorwiegend aus Argentinien) oder schlechten Imitationen aus Kunstoffen angeboten. Mehr oder weniger erfolgreich wird versucht, die Elfenbeintypische Maserung nachzuahmen. Selbst komplett “gravierte Pottwalzähne” aus Gießharz werden zu teilweise horrenden Preisen angeboten und sind für den Laien oftmals nur sehr schwer zu erkennen. Auch die weit verbreitete Meinung, Elfenbein und Kunststoff mittels Feuerzeug unterscheiden zu können ist nicht zutreffend, zumal ein Händler eine echte, kostspielige Arbeit nicht der Flamme und somit dem Risiko einer Beschädigung aussetzen würde.

Als eingetragener Handwerker gehören wir der Drechsler- und Elfenbeinschnitzer Innung Odenwaldkreis an, wobei Obermeister Jürgen Schott, gleichzeitig Inhaber der gleichnamigen Elfenbeinschnitzerei ist. Als langjähriges Mitglied im Kuratorium des Deutschen Elfenbeinmuseums sowie Mitglied des Deutschen Elfenbeinverbandes, sind auch wir an die Einhaltung des Washingtoner Artenschutzabkommens gebunden.

Bitte beachten Sie:

Der Elefant gehört zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten und die Einfuhr von Elfenbein für kommerzielle Zwecke nach Deutschland oder der EU ist deshalb verboten. Lediglich gemeldete,  registrierte und nachweisliche Altbestände dürfen unter strengen Auflagen und mit Genehmigung der Artenschutzbehörde gehandelt werden.

Wir kaufen und verkaufen Elfenbein ausschließlich aus Altbestand mit Cites bzw. EG-Bescheinigung (PDF) und Befreiung vom Vermarktungsverbot. Unsere sämtlichen Elfenbein-Vorräte haben den Legalitätsnachweis erbracht. Die Befreiung zur Vermarktung von Elfenbein wurde erteilt durch Bescheid des Regierungspräsidiums Darmstadt vom 30.01.1990.